Solange die Wachstumsfugen offen sind, ist der Bewegungsapparat eines jungen Hundes noch weich und verletzlich, deshalb schaden lange Läufe, viele Treppen und wilde Sprünge in dieser Zeit mehr, als sie nützen. Ein Welpe wirkt oft unermüdlich, und genau das führt Menschen in die Irre. Der Kopf will spielen, die Gelenke sind aber noch lange nicht fertig gebaut. Wer das im ersten Jahr berücksichtigt, legt die Grundlage für ein gesundes Hundeleben.
Warum wachsende Gelenke so empfindlich sind
Bei jungen Hunden wächst der Knochen an sogenannten Wachstumsfugen, weichen Knorpelzonen nahe den Gelenken. Diese Zonen sind noch nicht verknöchert und reagieren empfindlich auf Druck, Zug und harte Stöße. Auch die Muskulatur, die ein Gelenk normalerweise stabilisiert und abfedert, ist bei einem Welpen noch schwach entwickelt. Das Zusammenspiel aus weicher Knorpelzone und wenig Stützkraft macht diese Phase besonders anfällig.
Je nach Rasse und Größe schließen sich die Wachstumsfugen ungefähr zwischen dem zehnten und achtzehnten Lebensmonat, bei großen Rassen später als bei kleinen. Bis dahin gilt: Der Körper baut gerade erst das Fundament, auf dem später jede Bewegung ruht. Fehlbelastung in dieser Zeit hinterlässt manchmal Spuren, die sich erst Jahre später zeigen.
Was im Wachstum zu viel ist
Nicht Bewegung an sich ist das Problem, sondern die falsche Art und Menge. Diese Belastungen setzen junge Gelenke besonders unter Druck:
- Lange, gleichförmige Läufe. Kilometerweites Radfahren oder Joggen mit dem Junghund überfordert die Strukturen, weil die Belastung monoton und ausdauernd auf dieselben Punkte wirkt.
- Treppen, immer wieder. Einzelne Stufen sind kein Drama, aber viele Treppengänge am Tag summieren sich zu einer echten Belastung für Hüfte und Ellenbogen.
- Sprünge vom Sofa, aus dem Auto oder vom Bett. Beim Landen wirkt ein Vielfaches des Körpergewichts auf die Vordergliedmaßen. Das ist für weiche Fugen zu viel.
- Wildes Bremsen und Wenden auf glattem Boden. Wenn die Pfoten auf Laminat oder Fliesen wegrutschen, verdrehen sich Gelenke unkontrolliert. Gerade übermütige Junghunde tun das ständig.
- Ballspiele mit abruptem Stopp. Das ruckartige Abbremsen aus vollem Tempo belastet Kreuzband und Gelenke stark.
Sinnvolle Alternativen
Die gute Nachricht: Ein Welpe braucht keine langen Runden, um ausgelastet zu sein. Kopfarbeit macht müder als Kilometer.
- Kurze Einheiten statt langer Strecken. Mehrere kleine Spaziergänge über den Tag verteilt sind besser als eine große Tour. Als grobe Orientierung dient die alte Faustregel von wenigen Minuten Gassi pro Lebensmonat, mehrmals täglich.
- Schnüffeln lassen. Nasenarbeit lastet einen jungen Hund körperlich schonend aus. Zehn Minuten Suchspiel im Gras ermüden mehr als eine hektische Runde.
- Rutschfeste Böden schaffen. Läufer und Teppiche auf glatten Flächen geben Halt und nehmen den Pfoten das Wegrutschen. Das entlastet die Gelenke im Alltag spürbar.
- Eine Rampe für Auto und Sofa. So kommt der Hund ohne Sprung hoch und runter. Das gewöhnt ihn früh an eine gelenkschonende Gewohnheit, die später ohnehin sinnvoll wird, wie im Ratgeber zu Hunden, die sich mit der Treppe schwertun beschrieben.
Belastung dosieren statt verbieten
Junge Hunde sollen sich bewegen, spielen und die Welt erkunden. Bewegung ist kein Feind, sie baut Muskulatur auf und formt die Gelenke gesund. Es geht um das richtige Maß. Freies Traben und Spielen auf weichem, griffigem Untergrund ist wertvoll, das dauernde Wiederholen harter Stöße ist es nicht. Achten Sie auf Ihren Hund: Zieht er sich zurück, legt er sich hin oder wird die Bewegung nach dem Spiel klammer, war es zu viel für heute.
Wer den Muskelaufbau gezielt begleiten will, findet im Ratgeber zum Muskelaufbau passende Ansätze für kontrollierte, gelenkschonende Bewegung. Auch ein früher physiotherapeutischer CheckUp hilft, die Entwicklung im Blick zu behalten und Fehlbelastungen früh zu erkennen. Physiotherapie und Osteopathie begleiten das Wachstum, und genau darum geht es bei meinen mobilen Leistungen bei Ihnen zu Hause.
Häufige Fragen
Wie lange muss ich meinen Welpen im Wachstum schonen?
Bis sich die Wachstumsfugen schließen, je nach Rasse und Größe ungefähr zwischen dem zehnten und achtzehnten Lebensmonat. Große Rassen brauchen länger als kleine. In dieser Zeit sind lange Läufe, viele Treppen und Sprünge zu vermeiden. Kurze Einheiten und Schnüffelarbeit sind dagegen jederzeit sinnvoll und wichtig.
Darf mein Junghund überhaupt Treppen steigen?
Einzelne Treppen im Alltag sind kein Problem, wenn der Hund sie ruhig und kontrolliert nimmt. Kritisch wird es bei vielen Treppengängen am Tag oder bei hastigem Hoch- und Runterrennen. Wo es möglich ist, tragen Sie kleine Welpen oder nutzen eine Rampe, um die Gelenke im Wachstum zu entlasten.
Wie viel Bewegung braucht ein Welpe pro Tag?
Als grobe Orientierung dienen wenige Minuten Spaziergang pro Lebensmonat, mehrere Male am Tag verteilt. Wichtiger als die genaue Zahl ist die Art: kurze, ruhige Einheiten mit viel Schnüffeln statt langer, gleichförmiger Strecken. Kopfarbeit lastet einen jungen Hund schonend aus, ohne die Gelenke zu überfordern.
Woran erkenne ich eine Fehlstellung oder ein Gelenkproblem?
Achten Sie auf Lahmheit, einen unsauberen Gang, Zögern beim Aufstehen oder darauf, dass Ihr Hund bestimmte Bewegungen meidet. Auffällig nach innen oder außen gedrehte Gliedmaßen gehören ebenfalls abgeklärt. Zeigt sich etwas davon, ist der erste Weg immer die Tierarztpraxis, denn eine Fehlstellung braucht eine tierärztliche Diagnose.
Dieser Ratgeber informiert und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Lahmheit, Schmerzen oder dem Verdacht auf eine Fehlstellung gehört Ihr Hund zuerst in die Tierarztpraxis.
Sie möchten das Wachstum Ihres Junghundes von Anfang an gut begleiten? Machen Sie den kostenlosen Körper-Check oder vereinbaren Sie einen Termin bei Ihnen zu Hause.
