Bei einer Patellaluxation rutscht die Kniescheibe Ihres Hundes aus ihrer Führungsrinne am Knie, meist nach innen. Der Hund hüpft dann kurz, hält ein Hinterbein für ein paar Schritte hoch und läuft danach weiter, als wäre nichts gewesen. Genau dieses Muster ist typisch, und es ist häufiger, als viele Halter denken.
Betroffen sind vor allem kleine Rassen. Chihuahua, Zwergspitz, Yorkshire Terrier, Malteser und ihre Mischlinge bringen die Anlage oft schon von Geburt an mit, weil die Rinne, in der die Kniescheibe gleiten soll, flacher angelegt ist. Aber auch größere Hunde können betroffen sein. Manche merken davon ihr Leben lang kaum etwas, bei anderen wird es zum Thema, das den Alltag begleitet.
Was bei einer Patellaluxation passiert
Die Kniescheibe (Patella) sitzt vorne am Knie und gleitet beim Laufen in einer schmalen Rinne auf und ab. Über eine Sehne verbindet sie die Oberschenkelmuskulatur mit dem Unterschenkel. Ist die Rinne zu flach, die Beinachse leicht verdreht oder das umgebende Gewebe zu locker, springt die Scheibe aus ihrer Bahn. In den allermeisten Fällen rutscht sie nach innen.
Solange die Patella draußen ist, kann Ihr Hund das Knie nicht richtig strecken. Deshalb das kurze Hüpfen. Sobald sie zurückspringt, oft von allein, läuft er normal weiter. Tierärztinnen und Tierärzte teilen die Patellaluxation in Schweregrade ein, von “springt nur selten heraus” bis “liegt dauerhaft daneben”. Diese Einstufung gehört in die Tierarztpraxis, denn sie entscheidet mit darüber, welcher Weg für Ihren Hund der richtige ist.
Wie Sie es im Alltag erkennen
Das klassische Bild: Ihr Hund hebt mitten im Laufen kurz ein Hinterbein an und hüpft ein paar Schritte. Achten Sie auf diese Momente:
- Ihr Hund macht beim Rennen plötzlich ein paar Sprünge auf drei Beinen und läuft dann weiter.
- Er streckt ein Hinterbein kurz nach hinten aus, so als wolle er es “einrenken”.
- Nach dem Aufstehen wirkt er die ersten Schritte steif oder unsicher.
- Bei kaltem oder nassem Wetter tritt das Hüpfen häufiger auf.
Weil sich die Kniescheibe oft von selbst wieder einrenkt, wirkt Ihr Hund zwischendurch völlig beschwerdefrei. Das täuscht leicht darüber hinweg, dass am Knie dauerhaft etwas nicht rundläuft. Springt die Patella über Jahre immer wieder heraus, nutzt sich der Knorpel schneller ab, und das Risiko für weitere Knieprobleme steigt. Deshalb lohnt es sich, früh hinzuschauen, auch wenn Ihr Hund noch nicht zu leiden scheint.
Was Physiotherapie leisten kann
Physiotherapie renkt keine Kniescheibe dauerhaft ein und ersetzt keine tierärztliche Einschätzung. Was sie kann, ist das Knie von außen besser abzustützen. Eine kräftige, gut angesteuerte Oberschenkelmuskulatur hält die Patella zuverlässiger in ihrer Rinne. Genau hier setzt die Arbeit an.
Bei einem Termin bei Ihnen zu Hause schaue ich mir zuerst an, wie Ihr Hund steht, geht und sich bewegt. Oft belasten betroffene Hunde das schwächere Bein unbewusst weniger, und die Muskulatur baut sich dort schneller ab. Aus dieser Bewegungsanalyse ergibt sich ein Plan, der gezielt die Hinterhand kräftigt und die Beinachse stabilisiert. Wie so ein gezielter Muskelaufbau bei Hunden aufgebaut wird, lesen Sie im verlinkten Beitrag.
Dazu kommen je nach Bedarf Massage bei Verspannungen, die durch die Schonhaltung entstehen, und ruhige Mobilisation, damit das Gelenk beweglich bleibt. Einen Überblick über den Ablauf finden Sie unter meinen Leistungen.
Was Sie zu Hause tun können
Vieles liegt in Ihrer Hand, und es sind oft die kleinen Gewohnheiten, die den Unterschied machen.
Kontrollierte Bewegung statt wilder Sprints. Regelmäßige, ruhige Spaziergänge bauen Muskulatur auf, ohne das Knie zu überlasten. Abruptes Stoppen, enge Wendungen und wildes Toben mit anderen Hunden belasten die Patella dagegen stark.
Springen reduzieren. Rein und raus aus dem Auto, hoch aufs Sofa, die Treppe hinunter: Jeder Sprung staucht das Knie. Eine Rampe fürs Auto und eine kleine Hundetreppe zum Sofa nehmen viel Druck heraus.
Gutes Körpergewicht halten. Jedes zusätzliche Kilo lastet auf einem Knie, das ohnehin schon nicht ideal geführt ist. Ein schlanker Hund tut seinen Kniescheiben einen großen Gefallen.
Rutschige Böden entschärfen. Auf Laminat oder Fliesen rutschen die Pfoten weg, und das Knie muss ruckartig gegenhalten. Ein paar Läufer oder Teppiche auf den Hauptwegen geben Halt.
Konkrete Übungen sollten zu Ihrem Hund und seinem Schweregrad passen. Deshalb bespreche ich sie beim Termin persönlich mit Ihnen, statt hier eine Liste zu empfehlen, die vielleicht nicht zu Ihrem Hund passt.
Wann zur Tierärztin
Physiotherapie kommt nach der tierärztlichen Abklärung, nicht davor. Lassen Sie das Knie in der Tierarztpraxis untersuchen, wenn Ihnen das typische Hüpfen zum ersten Mal auffällt. Nur dort lässt sich der Schweregrad einstufen und beurteilen, ob weitere Schritte nötig sind.
Zeitnah in die Praxis oder den tierärztlichen Notdienst gehört Ihr Hund, wenn er ein Bein plötzlich gar nicht mehr belastet, wenn es deutlich anschwillt oder wenn er starke Schmerzen zeigt. Ein plötzliches, anhaltendes Lahmen kann auch andere Ursachen haben. Wie Sie in so einem Moment vorgehen, steht in meinem Beitrag zu plötzlichem Lahmen an der Hinterhand. Und weil ein instabiles Knie das Kreuzband mit belastet, lohnt sich auch ein Blick auf das Thema Kreuzbandriss beim Hund.
Häufige Fragen
Ist eine Patellaluxation für meinen Hund schmerzhaft?
Im Moment des Herausspringens ist es eher unangenehm als stark schmerzhaft, viele Hunde hüpfen kurz und laufen weiter. Springt die Kniescheibe aber über Jahre immer wieder heraus, nutzt sich der Knorpel ab, und daraus können mit der Zeit spürbare Schmerzen entstehen. Deshalb sollte man früh gegensteuern.
Kann Physiotherapie eine Operation ersetzen?
Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, entscheidet die Tierarztpraxis anhand des Schweregrads. Physiotherapie ist keine Alternative zu dieser Einschätzung. Sie stärkt die Muskulatur, die das Knie führt, und ist bei leichteren Formen oft eine wertvolle Unterstützung. Auch nach einer Operation hilft sie beim Wiederaufbau.
Welche Hunde bekommen besonders häufig eine Patellaluxation?
Vor allem kleine Rassen wie Chihuahua, Zwergspitz, Yorkshire Terrier und Malteser, oft schon von Geburt an. Bei ihnen ist die Führungsrinne der Kniescheibe von Natur aus flacher. Größere Hunde können aber ebenfalls betroffen sein, seltener und manchmal nach einer Verletzung.
Mein Hund hüpft nur ganz selten, muss ich trotzdem etwas tun?
Ja, ein Blick lohnt sich. Auch seltenes Herausspringen belastet das Knie auf Dauer. Je früher Sie die Hinterhand kräftigen und das Springen im Alltag reduzieren, desto besser lässt sich verhindern, dass aus einem gelegentlichen Hüpfen ein dauerhaftes Problem wird.
Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten oder plötzlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis.
Sie sind sich unsicher, wie es um die Hinterhand Ihres Hundes steht? Machen Sie den kostenlosen Körper-Check oder vereinbaren Sie direkt einen Termin bei Ihnen zu Hause.
